Totalverlustgarantie bei Lebensversicherungen – Die Zeitbombe tickt

moritz320 / QuinceMedia / Pixabay.com / crash-news.com

Zitat von www.focus.de:

Deshalb sinkt der Garantiezins für neue Verträge immer tiefer: Lag er 1999 noch bei durchschnittlich 4 Prozent, sind es jetzt gerade noch 0,9 Prozent. Und diesen Zins gibt es nicht einmal aufs ganze Geld, sondern nur auf den Sparanteil.

[…]

„Angesichts niedriger Zinsen kann etwa jedes dritte Unternehmen seine Garantieverpflichtungen nicht mehr mit laufenden Kapitalerträgen erfüllen.“

[…]

„Um die Garantien zu erfüllen, mussten die Unternehmen aus anderen Quellen Geld zuschießen“, schreiben die Experten.

Kommentar von crash-news.com:

Lebensversicherungen waren bis vor gar nicht allzu langer Zeit der gängige Standard für die Altersvorsorge. Von diesem Modell ist inzwischen aber nicht viel mehr als Schutt und Asche übrig. Immerhin: Allmählich erkennt sogar die Masse die Gefahr hinter dieser “Anlage” und hält sich von Neuabschlüssen fern. Doch die Altsparer sind keineswegs vor einem Totalverlust sicher.

Seit 2011 müssen Lebens- und Rentenversicherer eine sogenannte Zinszusatzreserve aufbauen, um die hohen Garantiezinsen ihrer Altverträge weiterhin bedienen zu können. Diese Kosten fressen allerdings mittlerweile den Großteil der Erträge in diesem Bereich insgesamt auf, sodass aktuelle Garantiezinsen schon deutlich unter einem Prozent liegen.

Angesichts der Risiken einer solchen Altersvorsorge, etwa dem plötzlichen Bankrott des Versicherers und dem damit einhergehenden finanziellen Totalschaden, ein äußerst gefährliches Spielchen. Ganz abgesehen davon, dass die auf diese Weise angesparten Rücklagen für den Lebensabend gleichzeitig noch von anderer Seite akut bedroht werden.

Die Politik bedient sich nämlich gnadenlos – auch gerne rückwirkend und ohne jeglichen Bestandsschutz – an den vermeintlich trockenen Schäfchen, die der brave Steuersklave fürs Alter in Sicherheit zu bringen gedachte. So werden ursprünglich steuerfreie Lebensversicherungen auf einmal zusätzlich besteuert, obwohl sie zu 100% aus bereits versteuertem Einkommen aufgebaut wurden.

Wie verheerend die Lage tatsächlich ist, dürfte den meisten Sparern gar nicht bewusst sein. Zahlreiche Versicherer erwirtschaften inzwischen nur noch so wenig Zinsen, dass sie damit gerade eben den verordneten Sicherheitspuffer bedienen können. Für Zinsüberschüsse der bestehenden Lebensversicherungen selbst bleibt da dann leider nichts mehr übrig.

Darüber hinaus waren im vergangenen Jahr über zwei Dutzend Versicherungsunternehmen schon nicht mehr in der Lage, die zugesicherten Garantien aus den Kapitalerträgen einzufahren, sondern mussten intern umschichten, um zusätzliche Quellen anzuzapfen.

Keine sonderlich nachhaltige Angelegenheit, aber angesichts von weiterhin rund 90 Milliarden jährlicher Beitragseinnahmen und einem Bestand von 85 Millionen Verträgen scheinen sich die Deutschen der damit verbundenen Verlustgefahr nicht wirklich bewusst zu sein.

In gewissem Maße ist das natürlich verständlich, haben die fleißigen Sparer doch zum einen kaum eine große Alternative zu Lebens- und Rentenversicherungen – sie wissen ja beispielsweise nichts von Gold und Silber – und zum anderen wurden die bisherigen Krisen schließlich irgendwie immer erfolgreich überwunden. So zumindest erscheint es ihnen.

Dieser schöne Schein trügt freilich, die Lüge von Angela Merkel und Peer Steinbrück vom Herbst 2008, unsere Spareinlagen seien sicher, haben leider nur die wenigsten durchschaut. Hier war und ist nämlich gar nichts “sicher”, geschweige denn, dass der Staat die Ersparnisse Millionen Deutscher in Höhe von ca. 5.700 Milliarden Euro irgendwie “garantieren” könnte, wo das gesamte Bruttoinlandsprodukt der BRD bei gerade einmal 3.250 Billionen Euro liegt.

Damit es aber zumindest so aussieht, als wäre wirklich alles im grünen Bereich, hat die EZB, namentlich Mario Draghi, in den letzten Jahren zig Billionen Euro an frisches, durch nicht gedecktes Geld in Umlauf gebracht, was die wankenden Banken und Großversicherer einigermaßen zu stabilisieren vermochte.

Diese sprichwörtliche Geldflutung ist dabei maßgeblich verantwortlich für die verheerende Entwicklung der Lebens- und Rentenversicherungen, da ohne nennenswerte Zinsen die hierin geparkten Vermögen angesichts der Inflation und der Gebühren immer schneller dahinschmelzen.

Außerdem stehen selbst die größten der Großen unter den Finanzinstituten alles andere als gut da. Gerade erst senkte die Ratingagentur S&P die Bonitätsnote der Deutschen Bank auf “durchschnittlich” mit potenziell schlechten Aussichten.

Wer also ernstlich in Erwägung zieht, seine in Lebens- und Rentenversicherungen investierten Gelder jemals wiederzusehen und dafür mehr als ein müdes Lächeln zu ernten – etwa weil der Euro kollabierte -, der sollte besser handeln. Keiner weiß, wie lange es die europäische Einheitswährung noch gibt bzw. wie lange sie als Zahlungsmittel akzeptiert wird.

Zur Wertaufbewahrung ist der Euro schon heute nicht mehr geeignet. Das wäre lediglich dann der Fall, wenn es nicht-spekulative Anlageformen ohne gleichzeitigen Zins- und Inflationsverlust gäbe, die keines oder ein äußerst geringes Verlustrisiko bergen. Auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten verlieren die Ersparnisse jedoch aufgrund von Negativzinsen mitunter sogar mehr Wert als unter der Matratze. Doch auch Letzteres gleicht nicht die wesentlich höhere Inflation aus.

Was viele nicht wissen – und wohl gar nicht wissen sollen: Geld einer Bank oder Versicherung anzuvertrauen ist nichts anderes als es in fremde Obhut zu geben. Bloß wer würde schon einem bekanntermaßen schlechten Schuldner seine mit harter Arbeit verdienten Altersrücklagen anvertrauen, ohne dafür im Gegenzug eine entsprechende Sicherheit zu bekommen?

Wären Sie etwa so verrückt, Ihrem als unzuverlässigen Raser bekannten Nachbarn ihren Neuwagen in seine Garage zu stellen, ihm den Schlüssel auszuhändigen und ihm dafür auch noch monatlich die Garagenmiete zu zahlen, obwohl Sie insgeheim wissen, dass er bei nächstbester Gelegenheit heimlich eine Spritztour mit Ihrem Wagen unternehmen wird?

Seltsam, dass hier fast jeder mit Nein antwortet, während dieselben Typen zeitgleich einen wesentlich größeren Geldbetrag bei maroden Banken und Versicherungen parken und allen Ernstes glauben, sie würden im Alter mehr Geld zurückbekommen, als sie insgesamt einbezahlt haben. Die Frage ist lediglich: Sind solche Leute leichtsinnig, gutgläubig oder schlichtweg irre?

Noch gibt es die Möglichkeit, weitgehend verlustfrei aus den Zeitbomben, üblicherweise “Anlagen” genannten Lebens- und Rentenversicherungen auszusteigen und umzuschichten, z.B. auf Edelmetalle. Allerdings schließt sich das zugehörige Zeitfenster eines Tages. Vielleicht erst in fünf Jahren, vielleicht in sechs Monaten, vielleicht aber auch schon morgen. Die Bombe tickt.

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Ein Kommentar

  1. Kapitallebensversicherungen § 314 VAG – Zahlungsverbot; Herabsetzung von Leistungen
    (1) Ergibt sich bei der Prüfung der Geschäftsführung und der Vermögenslage eines Unternehmens, dass dieses dauerhaft nicht mehr imstande ist, seine Verpflichtungen zu erfüllen, die Vermeidung des Insolvenzverfahrens aber zum Besten der Versicherten geboten erscheint, so kann die Aufsichtsbehörde das hierzu Erforderliche anordnen, auch die Vertreter des Unternehmens auffordern, innerhalb bestimmter Fristen eine Änderung der Geschäftsgrundlagen oder sonst die Beseitigung der Mängel herbeizuführen. Alle Arten von Zahlungen, besonders Versicherungsleistungen, Gewinnverteilungen und bei Lebensversicherungen der Rückkauf oder die Beleihung des Versicherungsscheins sowie Vorauszahlungen darauf, können zeitweilig verboten werden. Die Vorschriften der Insolvenzordnung zum Schutz von Zahlungsabrechnungssystemen, Wertpapierliefersystemen und Wertpapierabrechnungssystemen sowie von dinglichen Sicherheiten der Zentralbanken und von Finanzsicherheiten sind entsprechend anzuwenden.

    (2) Unter der Voraussetzung nach Absatz 1 Satz 1 kann die Aufsichtsbehörde, wenn nötig, die Verpflichtungen eines Lebensversicherungsunternehmens aus seinen Versicherungen dem Vermögensstand entsprechend herabsetzen. Dabei kann die Aufsichtsbehörde ungleichmäßig verfahren, wenn besondere Umstände dies rechtfertigen, insbesondere, wenn bei mehreren Gruppen von Versicherungen die Notlage des Unternehmens mehr in einer Gruppe als in einer anderen Gruppe begründet ist. Bei der Herabsetzung werden, soweit Deckungsrückstellungen der einzelnen Versicherungsverträge bestehen, zunächst die Deckungsrückstellungen herabgesetzt und danach die Versicherungssummen neu festgestellt; ist dies nicht möglich, werden die Versicherungssummen unmittelbar herabgesetzt. Die Pflicht der Versicherungsnehmer, die Versicherungsentgelte in der bisherigen Höhe weiterzuzahlen, wird durch die Herabsetzung nicht berührt.

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