Angeblich keine Immobilienpreisblase – Doch Vorsicht vor steigenden Zinsen

Thorben Wengert / pixelio.de

Zitat von www.focus.de:

Bis 2007 boomte der amerikanische Wohnimmobilienmarkt, wobei ein Großteil der Käufe kreditfinanziert wurde. Im Jahr 2006 zog allerdings das US-amerikanische Zinsniveau an, wodurch zeitverzögert viele Kreditnehmer ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten.

[…]

So müssten auch ein dynamisch steigendes Volumen an Wohnungsbaukrediten und relativ laxe Vergabestandards vorliegen. Danach sieht es jedoch nicht aus.

Kommentar von crash-news.com:

Die sogenannte US-Subprime-Krise war vor rund acht Jahren der Auslöser der globalen Finanzkrise. Steigende Zinsen rissen damals unzählige Immobilienschuldner in den monetären Abgrund. Jedem, der wollte und über irgendeine Art von „sicherem“ Einkommen verfügte, wurde zuvor ohne große Bedingungen ein Hauskredit gewährt. Zwischenzeitlich hat sich auch in Deutschland ähnliches entwickelt. Droht hier ebenfalls ein großer Knall?

„Experten“ behaupten, derzeit gäbe es bei uns „keine gesamtwirtschaftliche Immobilienpreisblase“, immerhin bestehe jedoch Anlass zu „erhöhter Wachsamkeit“. Wer die letzten Jahre einigermaßen aufmerksam die Zinsentwicklung beobachtete, konnte zeitgleich in seinem Umfeld eine durchaus beachtliche Zunahme an neuen Häuslebauern erkennen.

„So niedrige Zinsen muss man doch ausnutzen“ oder „bauen ist billiger als mieten“ sind die üblichen Begründungen vieler hauptsächlich junger Familien und Paare, die sich gnaden- und wohl zudem größtenteils völlig ahnungslos in die gefährliche Schuldenfalle begaben und noch immer begeben.

Zu behaupten, unser Land insgesamt befände sich in keiner Preisblase bezüglich Immobilien, mag in Teilen vielleicht sogar richtig sein, aber zum einen hat der Ansturm auf finanzierte Eigenheime definitiv massiv zugenommen und zum anderen suchen wegen der Niedrigstzinsen gleichzeitig auch viele Anleger und Sparer einen Weg, mittels Investition in Betongeld ihr Vermögen irgendwie inflationssicher anzulegen.

Viele Menschen haben sich dabei schwer übernommen, ohne das zum jetzigen Zeitpunkt zu begreifen, weil die Lage noch unter Kontrolle scheint. Allerdings zeichnen sich dennoch sehr klare Parallelen zur Subprime-Entwicklung in den USA ab.

Die einen bauen nämlich wegen des billigen Geldes viel größer, als sie es sich unter realistischen Zinssätzen überhaupt leisten könnten, die anderen reizen ihren finanziellen Spielraum praktisch bis zum letzten Euro aus. Ein Merkmal dafür ist die enorme Zunahme an Neubauten ohne Keller, denn deren Anteil liegt aktuell bei erstaunlichen 25% und lag vor ein paar Jahren gar bei 30%.

Der Grund: Auf diese Weise lässt sich nicht unerheblich Geld beim Bau einsparen. Diesen stolzen Bauherren scheint es offenbar mehr darum zu gehen, ihr persönliches Umfeld mit scheinbaren Äußerlichkeiten beeindrucken oder einfach um jeden Preis mit einem „Eigenheim“ protzen zu können, denn ein Haus ohne Untergeschoss ist auf dem Sekundärmarkt eher schlecht und nur mit erheblichen Abschlägen verkäuflich.

Dass es irgendwann einmal tatsächlich zu einer derartigen Situation kommen könnte, ist wahrscheinlich den wenigsten „Hausherren“ bewusst. Dabei genügen schon zwei ganz oder teilweise ausgefallene Kreditraten, um die eigene Bank zum Handeln und die von den Schuldnern beim Notar oftmals unwissentlich unterzeichnete Zwangsvollstreckungsunterwerfung zum Einsatz zu bringen.

Ohne Gerichtsverfahren oder sonstige Verzögerungsmöglichkeiten kann das jeweilige Geldinstitut die Schuldenburg dann sofort zwangsversteigern, wonach den Kreditsklaven nicht selten zwar das schöne Haus fehlt, dafür aber noch eine Restschuld als kleine Erinnerung verbleibt.

Wie schnell tritt ein derartiger Fall ein? Das kann ruckzuck passieren: Eine überraschende Kündigung – ob aus Pleite- oder Gesundheitsgründen, schlechter Auftragslage oder Mobbing -, bei eher knapp kalkulierten Finanzierungen reicht bereits Kurzarbeit, all das sind typische Fälle. Doch hier endet die Gefahr noch längst nicht.

Sollte die Bank feststellen, dass die zu 80 oder womöglich sogar zu 100% finanzierte Hütte plötzlich nicht mehr in Top-Lage, sondern direkt neben einem gerade neu errichteten Invasorenheim steht, oder aus sonstigem Grund der Wert der Immobilie deutlich fiel, besteht sofortige Nachschusspflicht. In der Regel sind diese Kreditnehmer dazu aber nicht ansatzweise in der Lage.

Heimtückisch sind ebenfalls stark steigende Nebenkosten, wie etwa die Grundsteuer. Hier bahnt sich derzeit sogar ganz konkretes Ungemach an, da die Regierung plant, sämtliche 35 Millionen Grundstücke im Land neu bewerten lassen zu wollen – angeblich aufkommensneutral. Wer dieser offenkundigen Lüge allerdings tatsächlich glaubt, kann nur als vollkommen naiv bezeichnet werden.

Was auch viele überhaupt nicht auf dem Radar haben sind die Zinsen. Selbst eine Zinsbindung für 20 Jahre schützt keinen Schuldner vor der überraschenden Fälligstellung seines Kredits, da er durch Sonderkündigung aufgrund von Nachschusspflichten, Änderungen der Wirtschaftslage des Schuldners, deutlichem Wertverlust der Immobilie infolge von Marktverwerfungen usw. urplötzlich vor dem Problem stehen könnte, sozusagen über Nacht einen neuen Kredit zu aktuellen Konditionen abschließen zu müssen – mit höheren Zinsen.

In den USA ist 2007 genau das geschehen. Im Jahr zuvor stiegen die Zinsen und schon kam die verheerende Lawine ins Rollen. Jeder Häuslebauer, der glaubt, das könne sich nicht wiederholen und ganz bestimmt nicht bei uns, darf gerne dagegen wetten – nur bitte nicht mit „seinem“ Haus, denn das gehört ihm ja gar nicht. Doch die Mathematik wird am Ende wie immer siegen.

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