Riesige Tilgungslücke: Zehntausende Häuslebauer sitzen in der Schuldenfalle

Frank Ulbricht / pixelio.de

Zitat von www.welt.de:

Bauherren zahlen jahrelang nur die Zinsen aus dem Festdarlehen, die Tilgung sollte dann in einem Rutsch am Ende der Versicherungslaufzeit erfolgen.

[…]

Ihnen fehlen für die Tilgung meist mehrere Zehntausend Euro […]. Statt Schuldenfreiheit nach 20, 30 Jahren heißt es für sie jetzt: neue Finanzlast schultern, neue Kredite abstottern, oft bis weit ins Rentenalter hinein. Wer das Finanzloch am Ende der Versicherungslaufzeit nicht aus eigenen Mitteln stopfen kann, dem kann die Zwangsversteigerung drohen.

Kommentar von crash-news.com:

Lebensversicherungen sind ein gutes Geschäft – zwar nicht für denjenigen, der mitunter jahrzehntelang in solch einen Vertrag einbezahlt, aber zumindest für die Versicherer und die Vermittler. Wer auf Basis eines solchen Papiers eine Wohnung kauft oder ein Haus baut, riskiert aber nicht bloß seine Altersvorsorge, sondern sogar sein gesamtes Vermögen. Doch fast keiner hört diese Zeitbombe ticken.

Allein die seit Jahren extrem niedrigen Zinsen haben das Finanzsystem bislang vor dem unausweichlichen Kollaps bewahrt. Der Preis dafür ist hoch und muss von jedem einzelnen Sparer bezahlt werden. Besonders sind diejenigen von dieser alternativlosen heimlichen Bankenrettung betroffen, welche am wenigsten davon ahnen: Häuslebauer mit endfälligen Krediten und Lebensversicherungen als Tilgungsträger.

Weil das historische Zinsniveau den Versicherern das Leben schwer macht, da sie die versprochenen Renditen nicht mehr erbringen können, hat der Gesetzgeber im vergangenen Jahr beschlossen, den Gesellschaften neue Freiheiten einzuräumen, um schlichtweg die Ablaufleistung bestehender Lebensversicherungsverträge willkürlich zu kürzen – im Nachhinein versteht sich.

Die meisten derjenigen, welche mit einem solchen Papier ihr Eigenheim nach Ablauf des Kreditvertrags auf einen Schlag zu bezahlen planten, verstehen wohl gar nicht, was ihnen hier blüht. Entweder, weil sie von ihrem Versicherer nicht darüber informiert werden, sich selbst nicht um dieses Thema kümmern oder weil sie in dem festen Glauben sind, dass sich an den ursprünglich vereinbarten Bedingungen nicht einfach einseitig etwas verändern kann.

Bis eines Tages ein blauer Brief von der Versicherung bzw. Bank eintrudelt, wähnen sich die Schuldner arglos in Sicherheit. Das böse Erwachen erreicht sie erst dann, wenn ihnen bewusst wird: Die Auszahlung der Lebensversicherung wird nicht annähernd ausreichen, um den Kredit vollständig zu tilgen. Es ist später zwingend eine Anschlussfinanzierung notwendig und das schuldenfreie Eigenheim rückt somit in unbekannte Ferne.

Der schöne Traum zerplatzt einfach und völlig unerwartet. Und dabei ist die Tilgungslücke durch die schwindenden Lebensversicherungsrenditen eigentlich erst die halbe und fast noch harmlose Wahrheit.

Da viele Häuslebauer bei der Verwirklichung ihres Lebenstraumes von den eigenen vier Wänden bis ans Limit gingen und gehen und eine Vollfinanzierung ihrer Immobilie ohne oder mit nur minimalem Eigenkapital unterzeichnen, lauert eine weitere, akute Gefahr auf diese Schuldenknechte:

Die Banken lassen sich bekanntlich neben der Unterzeichnung einer Abtretungserklärung für die Lebenspolice selbstverständlich immer ins Grundbuch eintragen, sodass sie in keinem Fall ein Risiko eingehen. Und sie tun das aus gutem Grund.

Sobald nämlich die derzeitige Blase am Immobilienmarkt nur leicht zu platzen beginnt und die Häuserpreise – etwa durch steigende Leitzinsen – zu fallen beginnen, kommt auch schon der zweite blaue Brief von der Hausbank: Der sogenannte Margincall, in welchem das Institut dem verdutzten Hausherrn lapidar mitteilt, dass sein schönes Eigenheim leider weniger Wert besitzt als die im Grundbuch vermerkte Hypothek ausweist.

Zu Deutsch bedeutet dies: Die Bank fordert einen meist hohen Betrag im fünfstelligen Bereich zur sofortigen Zahlung, um die Lücke zwischen dem aufgenommenen Kredit und dem damit beliehenen Haus zu schließen.

Angenommen, das Eigenheim wurde für 250.000 Euro gebaut und mangels Eigenkapital ein ebensolches Darlehen vom Bauherrn aufgenommen, das Häuschen würde jedoch aktuell am schwächelnden Markt höchstens noch 200.000 Euro Verkaufspreis einbringen, darf der Schuldsklave mal eben 50.000 Euro an sein Finanzinstitut nachschießen.

Kommt er dieser Aufforderung nicht fristgerecht nach, meist binnen weniger Tage oder vielleicht einiger Wochen, droht die Bank mit der sofortigen Fälligstellung des gesamten Kredits, was aufgrund der Marktlage natürlich erst recht zur finanziellen Katastrophe des Betroffenen führen würde.

Leider ist den meisten Schuldnern überhaupt nicht bewusst, was sie sich mit ihrer Immobilie ans Bein gebunden haben. Der Stolz über die prunkvolle „eigene“ Hütte ist zu groß und macht zu blind für die Realität und wenn das böse Erwachen dann tatsächlich unweigerlich an der Türe klopft, ist es oft zu spät zum Handeln.

Da die Preise für Betongold teilweise weiterhin steigen, zumindest in bestimmten Ballungszentren, können diejenigen, welche sich der Schuldenfalle erst jetzt wirklich gewahr wurden, noch schnell die Reißleine ziehen und das Haus oder die Eigentumswohnung verkaufen. Dieses Vorgehen ist einer Umstellung auf ein Annuitätendarlehen vorzuziehen, weil Letzteres mit hohen Verlusten einhergeht und die Schulden schlussendlich ja trotzdem bestehen bleiben, womit die Bank fortwährend am Drücker bleibt.

Eigentlich ist es bereits in „guten“ Zeiten unverantwortlich, sich auf viele Jahre oder gar Jahrzehnte hin mit einem Sklavenvertrag an eine Bank zu ketten und in diesem Zusammenhang sogar eine Zwangsvollstreckungsunterwerfung zu unterschreiben, obwohl niemand im Voraus weiß, wie sein Leben verlaufen wird. Aber sich zum jetzigen Zeitpunkt, kurz vor dem globalen Kollaps des Finanzsystems auf diese Weise zu verschulden, ist es einfach bloß purer Selbstmord. Egal, wie niedrig die Zinsen auch sein mögen.

Jetzt kann es nur heißen: Weg mit allen Schulden, insbesondere mit derart hohen und verbindlichen Immobilienkrediten, aus denen es kein Entrinnen gibt, da selbst bei einer Währungsreform die Bank Eigentümer der vermeintlich „eigenen“ vier Wände bleibt. Und wer möchte schon gerne lebenslanger Sklave eines solchen Instituts sein?

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2 Kommentare

  1. Lebensversicherungen SIND LEGALER BETRUG (Urteil Hans Dieter Meyer gegen Allianz Versicherung) wer damit auch noch sein Haus bezahlen möchte verwechselt „festverzinsliche“ Sicherheit mit Derivaten (Börsenspekulation). Zum „schnellen“ Verkaufen haben sich unsere (geld-)lieben Politiker auch etwas nettes einfallen lassen: massiv gestiegene Nebenkosten (Grunderwerbssteuer), es gibt übrigens auch eine Lösung zum Schuldenfreien Hauserwerb: genossenschaftlich organisierter Optionskauf: http://www.geno.ag

  2. als ehemaliger Vers. Makler kann ich zu hundert Prozent diesen Bericht zustimmen. denn nach Versicherungsvertragsgesetz §89 kann bei einer wirtschaftl, Verschlechterung am Markt zu einer Reduzierung von Überschüssen und Verzinsungen durch die Ver. rechtlich erfolgen. Man sollte aber auch in Betracht ziehen sollte man unerwartet durch seine neuen Fachkräfte überflutet werden kann man seine Hütte im Wert und im VK. Preis gleich vergessen. Deshalb sollte man natürlich vorher die Lage des Objektes genau studieren und mit Nachbarn auch mal reden !!!!!!!!!!!!!!

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