Millionen in der Falle: Immobilienschulden brechen den Häuslebauern das Genick

Lupo / pixelio.de

Zitat von www.focus.de:

Nie war Schuldenmachen so billig wie jetzt. […] Vor fünf Jahren kostete die Hypothek noch mehr als vier Prozent. Da müssten doch ein paar Quadratmeter mehr drin sein, ein Haus im Grünen, eine Eigentumswohnung.

Doch wer so denkt und sich wegen der günstigen Konditionen jetzt höhere Schulden aufbürdet, sitzt womöglich auf einer Zeitbombe.

Kommentar von crash-news.com:

Nur 1,5% Zinsen für einen Hausbaukredit? Wer dazu nein sagt, muss schon ziemlich dumm sein, heißt es heute landauf landab. Jetzt sei der ideale Zeitpunkt, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen, raten „Experten“ genauso wie verblendete Häuslebauer, die sich damit freiwillig und ohne jede Not in die Knechtschaft der Banken begeben. Doch die dicke Abrechnung kommt später garantiert.

In Zeiten von Null- oder sogar Negativzinsen fragen sich viele Menschen: Wohin mit meinem Ersparten? Besser, das Geld wird gleich ausgegeben, bevor die angeblich nicht vorhandene Inflation daran nagt.

Andere sehen wegen der niedrigen Zinsen ihre Chance gekommen, trotz der vergleichsweise geringen Ersparnisse endlich ein eigenes Haus oder eine Wohnung zu kaufen. Wozu weiterhin Miete zahlen, wenn zum selben Preis ein Eigenheim drin ist? Dem Massentrend zu folgen kann so falsch schließlich nicht sein, oder?

Oh doch. Immobilien bergen verschiedenste Fallen, denen sich die frischgebackenen Hausherren oft nicht ansatzweise bewusst sind. Der scheinbar günstigere Preis im Vergleich zum Mieten, bei welchem die meisten die enormen Kosten für Instandhaltung, Betrieb und spätere Renovierung ausklammern, ist bloß ein Beispiel. Wesentlich gefährlicher ist dagegen die Finanzierung an sich.

Zwar scheinen die Deutschen nicht ganz so fatal in der Schuldenfalle festzuhängen, wie viele der europäischen Nachbarn, da sie im Durchschnitt „nur“ etwa 75% der Bau- oder Kaufsumme per Kredit finanzieren. Aber schon dieser Anteil ist völlig ausreichend, um Millionen dieser Kreditschafe mit einem Federstreich über die Klinge springen zu lassen.

Üblicherweise laufen die jeweiligen Kreditverträge zehn Jahre. Die ganz besonders sicherheitsbewussten Menschen unterschreiben lieber gleich Kontrakte mit 15 oder 20 Jahren Zinsbindung und fühlen sich so bestens geschützt vor etwaigen Überraschungen auf dem Geldmarkt.

Trotzdem, einmal ist auch dieser Zeitraum abgelaufen und die meisten Häuslebauer staunen zum einen nicht schlecht, welche zahlreichen Dinge sie bereits nach zehn Jahren an ihrem Traumhaus ausbessern, reparieren oder austauschen müssen. Zum anderen aber, und das hatten sie seltsamerweise am Tag ihrer Unterschrift beim Notar völlig übersehen: Die Anschlussfinanzierung ist plötzlich ganz und gar nicht mehr günstig, sondern unfinanzierbar.

Anstatt der vorherigen 1,5% will die Bank nun schlappe drei oder vier Prozent kassieren. Aus 800 Euro Zinsen monatlich werden auf einmal 2.400 Euro. Wer zum Zeitpunkt des Baus bzw. Kaufs sein Kreditlimit schon vollkommen ausschöpfte und die Hütte bewusst etwas größer baute und pompöser ausstattete, weil das damals ja ach so billig zu finanzieren war, der ist schockiert, dass sein Einkommen für den Anschlusskredit auf einmal nicht mehr ausreicht.

Nicht wenige Immobiliengläubige erleben in diesem Augenblick ein bitterböses Erwachen. Aber das ist noch längst nicht alles, was ihnen an Gefahr droht. Wer tatsächlich glaubt, die zehn- oder zwanzigjährige Zinsbindung ließe ihn wenigstens innerhalb dieses Zeitraums sicher schlafen, der irrt.

Um eine starke Abwertung der eigenen Währung oder gar einen Crash des Finanzsystems zu verhindern, heben die Zentralbanken für gewöhnlich ihre Leitzinsen an, um eine Währungsflucht zu verhindern oder einzudämmen. Damit steigen auch unmittelbar die Zinsen für Immobilienkredite und infolgedessen sinken die Preise aus dem Immobilienmarkt deutlich, da die Nachfrage nach Krediten entsprechend einbricht.

Da die Geschäftsbanken diese Situation allerdings im Vergleich zu den Schuldnern nicht überraschend trifft, sondern sie im Gegenteil die Märkte ständig genauestens beobachten, werden sie nicht lange untätig zusehen, wie die üblicherweise als Sicherheit hinter ihren vergebenen Krediten stehenden Häuser und Wohnungen im Wert verfallen. Stattdessen landet pünktlich und unerwartet im Briefkasten der Schuldsklaven ein sogenannter Margincall.

Darin informiert die Bank den Schuldner über den gefallenen Wert seiner Immobilie und die daraus resultierende Deckungslücke der Finanzierung und fordert ihn auf, binnen weniger Tage diese Lücke durch Zahlung oder Herankarren weiterer Sicherheiten zu schließen. In der Regel handelt es sich hierbei um fünf- oder sechsstellige Beträge. Kommt dem der Kreditnehmer nicht unmittelbar nach, stellt die Bank den gesamten Kredit fällig – und zwar unter Umständen mitten in der angeblichen sicheren Zinsbindungszeit des Vertrages.

Dasselbe gilt im Falle der Arbeitslosigkeit des Schuldners oder anderen ungeplanten Ereignissen, über welche die Bank Kenntnis erlangt. Mancher Häuslebauer mag vielleicht einwenden, dass davon kein Wort in seinem Kreditvertrag stünde. Nun, das muss es gar nicht, denn es steht ja im Bürgerlichen Gesetzbuch §490:

(1) Wenn in den Vermögensverhältnissen des Darlehensnehmers oder in der Werthaltigkeit einer für das Darlehen gestellten Sicherheit eine wesentliche Verschlechterung eintritt oder einzutreten droht, durch die die Rückzahlung des Darlehens, auch unter Verwertung der Sicherheit, gefährdet wird, kann der Darlehensgeber den Darlehensvertrag vor Auszahlung des Darlehens im Zweifel stets, nach Auszahlung nur in der Regel fristlos kündigen.

Millionen von Menschen befinden sich bereits in dieser Schuldenfalle und werden höchstwahrscheinlich großteils „ihr Eigentum“ verlieren, denn das, was dem Finanzsystem bevorsteht, ist mehr als nur eine „wesentliche Verschlechterung“. Darauf zu hoffen, dass sich durch eine zeitgleich geschehende Hyperinflation die Schulden in Luft auflösen, gehört größtenteils ins Reich der Märchen.

Wer klug ist und erkennt, auf welcher Zeitbombe er gleich in mehrfacher Hinsicht mit seinem Immobilienkredit sitzt, nutzt die Chance der aktuell bestehenden Blase und veräußert sein Häuschen schnellstmöglich, um hoffentlich gerade noch einmal glimpflich davon zu kommen. Allen anderen uneinsichtigen Kreditsklaven sei eine angenehme Zeit in „ihren eigenen vier Wänden“ gewünscht, solange das möglich ist.

Neue Artikel kostenlos per E-Mail erhalten:

Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on VKEmail this to someonePrint this page

4 Kommentare

  1. Super Artikel. Ich lese sie gerne. Aber ! xD

    Gesetze ohne Geltungsbereich sind null und nichtig ! Der Geltungsbereich ist im Artikekl 23 im Grundgesetz (GG) geregelt. Dieser wurde aufgehoben und umgeschrieben. Kein Gesetz ist in der BRD gültig. Die jenigen , die noch daran glauben, das wir in einem demokratischen Rechtsstaat leben, empfehle ich nur :

    LERNEN DURCH SCHMERZ !

    • „Lernen durch Schmerz“ – GANZ GENAU ! Banken sind Verbrecher an die Menschheit. Banken verleihen kein vorhandenes Geld, sondern sie zaubern Kredite aus dem NICHTS ohne Sicherheiten. Es ist ein Buchungsvorgang bei dem neues Buchgeld entsteht. Stellt sich natürlich die Frage: Warum muss ich etwas zurückzahlen was vorher nicht existiert hat? Wer das immer noch nicht kapiert hat, der muss eben leiden. Dummheit muss bestraft werden.

  2. Seruvs!

    Ich lese hier alle Artikel und bin ein großer Fan ihres Schreibstils.

    Jeder der sich ernsthaft überlegt eine Immobilie zu kaufen sollte sich folgende Artikel durchlesen und dann entscheiden.
    Immobilien kaufen und vermieten: Lohnt sich das?:
    http://zendepot.de/immobilien-...-sich-das/
    Deseweiteren diese Beiden:
    8 Immobilien-Irrtümer, die du unbedingt kennen solltest (Teil 1)
    http://zendepot.de/8-immobilie...er-teil-1/
    8 Immobilien-Irrtümer, die du unbedingt kennen solltest (Teil 2)
    http://zendepot.de/8-immobilie...er-teil-2/

    Viel Spass beim lesen.

  3. Grundsätzlich gebe ich Ihnen recht. Es stimmt alles, hinsichtlich der Gefahren durch Schulden und der Selbstüberschätzung vieler „Hausbesitzer“.
    Allerdings wird das Leben in Mietverhältnissen etwas zu positiv dargestellt. Im Mietverhältnis zu stehen kann auch eine Last sein. Wohnungen sind vielleicht relativ billig, aber die Qualität des Wohnens (störende Nachbarn, nachlässige Vermieter, investiere ich Zeit und Geld zur Aufbesserung – bzw. wie lange will ich da noch wohnen?, etc.) läßt oft zu Wünschen übrig. Häuser zur Miete sind schwer zu finden und relativ teuer.

    Außerdem ist man der Politik bzw. der Hochfinanz ohnehin ausgeliefert. Einen wirklichen Schutz gibt es in so einem verbrecherischen System nicht. Bsp. Detroit-Pleite. Alle Pensionen wurden -gegen die MI-Staatsverfassung- gekürzt um 85% (also auf 15%). Wie soll man sich dagegen schützen?

    Bei einem großen Crash, also dem nächsten, der ansteht, werden auch viele Banken selbst pleite gehen, denn im Prinzip ist die transatlantische Welt hoffnungslos bankrott. Das ist natürlich kein Grund, sich beruhigt zurückzulegen. Es wird wohl je nach Fall entschieden werden, denn wenn Massen von Menschen aus ihren Häusern verklagt werden, werden vielleicht einzelne Institute an die Zukunft denken. Wer soll denn die leerstehenden Immobilien, die nun den Banken gehören, kaufen? Vielleicht will man in Zukunft auch noch Geschäfte machen mit „Kunden“. Ich gebe zu, nur eine schwache Hoffnung, aber immerhin, denn
    wie Fernandez de Kirchner (Argentinien) sagte: Tote können keine Schulden bezahlen…

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*