Datenschnüffelei ohne Grenzen: “1984” erscheint wie harmloser Comic

Dieter Schütz / pixelio.de

Zitat von www.tagesspiegel.de:

Erst „Prism“, jetzt „Tempora“: Zwei Wochen nach Bekanntwerden der umstrittenen US-Datenüberwachung hat der Informant Edward Snowden laut „Guardian“ eine noch weitaus größere Telefon- und Internetkontrolle durch den britischen Geheimdienst offengelegt.

[…]

Snowdens Dokumente belegten, dass der britische Geheimdienst jeden Tag 600 Millionen Telefonverbindungen erfasse. Angeblich sollen 850 000 NSA-Mitarbeiter und beauftragte Spezialisten Zugang zu den britischen Überwachungsdaten haben.

Kommentar von crash-news.com:

Nachdem bereits der NSA-Überwachungsskandal für großes Entsetzen bei vielen Bürgern und auch Teilen unserer sonst selbst so überaus neugierigen Politik gesorgt hat, traf die jüngste Veröffentlichung von Edward Snowden unsere angeblich freiheitliche Grundordnung nun mitten ins Herz: Das Ausmaß der britischen GCHQ-Bespitzelung übertrifft wahrlich alle vorstellbaren Dimensionen.

Auch wenn wir davon ausgehen können, dass Snowden mit Sicherheit noch einige weitere Überraschungen bereithält – sofern er denn die nächsten Monate überhaupt überlebt -, ist bereits die derzeit sichtbare Größenordnung der illegalen Überwachung kaum mehr zu erfassen. Hunderte von Millionen Telefonate täglich werden mitgeschnitten und abgehört, wer weiß wie viele Internet-Verbindungen und E-Mails gespeichert und ausgewertet, und auf all diese Daten haben fast eine Million Berufsspitzel im Auftrag der Regierungen Zugriff.

Selbst George Orwell würde vermutlich der Atem stocken in Anbetracht dieser Dimension von systematischer Missachtung unserer Freiheitsrechte. Sein bekanntes Werk “1984” erscheint gegen die heutige offensichtliche Realität nur noch wie ein lächerlicher Comic. Dabei waren seine finsteren Prognosen nicht von schlechten Eltern und schon immer ein Synonym dafür, was hoffentlich niemals geschieht.

Doch nun scheint uns dieser Alptraum nicht nur eingeholt, sondern sogar längst überholt und in sämtlichen Disziplinen weit hinter sich gelassen zu haben. Auch das Unrechtsbewusstsein wurde zeitgleich mit dem Datenschutz und unserer Freiheit vollständig zerstört, denn die britische Regierung will beim besten Willen nichts Schlechtes im Handeln des GCHQ entdecken.

Nachdem nun bekannt ist, dass die Briten mindestens auf große Teile des transatlantischen Internetverkehrs ein Auge werfen, sollten wir uns bewusst machen, was das bedeutet. Wer beispielsweise bei Google seine E-Mails verwaltet, deren Suchmaschine verwendet, Videos bei Youtube anschaut oder sonstige Dienste von US-Anbietern nutzt, wer ein Gerät besitzt, dessen Namen mit einem “i” beginnt oder ein Produkt der Firma Microsoft verwendet und sein Privatleben samt sämtlicher Kontakte freiwillig in einem “Gesichtsbuch” offenbart, scheint offenbar ein ziemlich gläsernes Leben zu führen, ohne davon auch nur das Geringste zu ahnen.

Sollen wir nun auf all das verzichten? Vielleicht, zumindest auf alles, was wir zunächst nicht unbedingt benötigen. Die restlichen Dienste sollten wohl besser nach und nach durch andere, hiesige ersetzt werden. Doch Vorsicht, mitnichten sind deutsche Internetdienstleister viel besser, als die über dem Teich, denn auch unsere Regierung hegt ständige Überwachungs-Begehrlichkeiten, die EU sowieso.

Trotzdem sollten wir die Sache nicht auf die leichte Schulter nehmen und allein schon aus Prinzip alles unternehmen, um diesem organisierten Verbrechen gegen unsere freiheitlichen Grundrechte mit aller Entschiedenheit den Kampf anzusagen. Es nützt wohl eher wenig, seinen Provider bzw. die genutzten Internet-und Telekommunikations-Dienstleister nach ihrer Praxis in Sachen Datenschutz und Überwachung zu befragen, denn der NSA-Fall zeigt, dass die Spitzelei sowieso nicht zugegeben wird oder gar nicht überall im Unternehmen bekannt ist.

Außerdem gibt es genügend Möglichkeiten, die ganz bestimmt auch von Geheimdiensten und Regierungen längst genutzt werden, ohne die Zustimmung dieser Dienstleister die Kunden auszuspionieren und zu überwachen. Daher bleibt uns nur eines: Abschalten, was nicht benötigt wird, abmelden und löschen, was mehr oder weniger eh nur Spielerei ist und wenn möglich auf andere Techniken zu setzen, die jeder selbst unter seiner Kontrolle hat.

Das hat zwar in vielerlei Hinsicht auch Auswirkungen auf unsere Gewohnheiten im Internet und kostet Bequemlichkeit, aber früher ging schließlich auch vieles ohne das Netz. Es ist schlicht eine Frage des Willens und der Umgewöhnung. Und es zeigt sich eines dabei: Freiheit wird immer kostbarer und ihr Erhalt fordert einen immer höheren Preis. Sind wir bereit, diesen zu bezahlen, solange es noch geht?

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Ein Kommentar

  1. Es ist unser aller Charakter, der in die globale Diskussion einbezogen gehört.
    Mehr und andere Technik ist nichts anderes als “Wettrüsten”.
    Es muß in den “Thinktanks” darum gehen, wie wir Menschen eigentlich leben wollen und welche Werte wir gemeinsam fördern wollen. Die derzeitigen Werte heißen Macht, Geld, Kapital auf Kosten der Menschen. Wirtschaft ist vom Mittel zum Zweck geworden. Vertrauen gibt es nicht mehr, höchstens als Vertrauensmissbrauch. Wir haben vergessen, dass wir uns das alles selbst einbrocken mit der Art wie wir denken und leben. Besonders die Politik zeigt wenig Verantwortung. Charakter – gibt es das Wort noch? Man kann (alles) tun dank technischer Möglichkeiten, aber man verzichtet nicht darauf, weil es die anderen auch tun. Wollen wir weiter daran arbeiten, das Menschsein abzubauen? Die Daten-affairen sind ein kleiner Hinweis auf die ganz falsche Richtung, in die wir nunmehr konstant und stur weltweit unhinterfragt weitermarschieren, unfähig innezuhalten, damit in der eintretenden Stille nicht etwa eine Frage zu hören ist: Wie wollen wir leben?

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