Und wieder haben die Finanzjongleure ihren nächsten Coup gelandet: Mit Hilfe der “Collective Action Clause” können Anleihehalter zukünftig zuverlässig und ohne Widerstand enteignet und jeder Euro-Staat bequem um- oder entschuldet werden. Es ist zwar letztendlich nichts Neues, denn bei Griechenland funktionierte der Schuldenschnitt auch ohne CAC, aber die Staaten haben nun Rechtssicherheit, weil Klagen damit quasi verunmöglicht werden.
Woher diese neue Regelung stammt, ist wenig überraschend. Sie wurde im Zusammenhang mit dem ESM beschlossen und wir können davon ausgehen, dass noch diese oder jene andere “Überraschung” auf der Bildfläche erscheinen wird, welche bislang im Schatten dieses großen bösen Sklavenvertrages unentdeckt blieb.
Die meisten Bürger werden wie üblich mit den Schultern zucken und sagen, dass sie das nicht interessiere, weil es sie ja sowieso nicht betreffen würde. Der Anteil von Anlegern, welche direkt in Staatsanleihen investieren, ist in der Tat sehr gering. Aber fast keiner dieser arglosen Menschen ahnt, dass in Wirklichkeit fast sein gesamtes Vermögen auf dem Spiel steht.
In ihren über 95 Millionen Lebens-, Renten- und sonstigen Risikoversicherungen bzw. Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherungen haben die Deutschen rund 700 Milliarden Euro gebunden. Die Versicherer sind gesetzlich dazu verpflichtet, dieses Geld mehrheitlich in Anleihen zu investieren, weil diese als “sicher” gelten. Rein statistisch hat also jeder einzelne Bürger 1,2 derartiger Versicherungen mit einer Gesamteinlage von über 10.000 Euro. Wohlgemerkt pro Kopf, also Kinder, Jugendliche und Rentner mitgezählt.
Dass dieser unmittelbare Zusammenhang so gut wie unbekannt ist, liegt zum größten Teil im Desinteresse der Menschen in Sachen Finanzangelegenheiten begründet. Die meisten glauben, das Thema Geldanlage wäre sowieso viel zu kompliziert und zu komplex und verlassen sich auf das breite Angebot an Anlageberatern, welche jedoch zum allergrößten Teil nur ihre eigenen finanziellen Interessen verfolgen, weil sie Vertragsabschluss abhängig bezahlt werden.
Diejenigen, welche den Zusammenhang zumindest grundlegend erkannt haben, beruhigen sich zumeist mit der Aussage, dass unsere Regierung “das doch niemals zulassen würde”, also die massenhafte Enteignung etwa durch einen Schuldenschnitt. Doch spätestens seit der griechischen Umschuldung und den entsprechenden Abläufen müsste eigentlich jedem klar sein, dass er im Falle einer Pleite von beispielsweise Spanien, Italien oder Frankreichs unmittelbar betroffen wäre.
Solange das Unglaubliche jedoch nicht real geschieht und die Eurokrise scheinbar beseitigt ist, kümmern sich die Menschen erst recht nicht um ihre Spar- und Anlagevermögen. Wo könnte das Geld denn sicherer aufgehoben sein als in einer Bank oder in einer langlaufenden Lebensversicherung? Außerdem gibt es dort – wenn auch nur geringe – Zinsen, während vermeintlich gefährliche Anlagen wie Gold und Silber selbiges nicht zu bieten scheinen.
Es ist erstaunlich, wie weit unsere Räuberpolitik tatsächlich gehen kann, ohne dass die Menschen sich dagegen wehren bzw. sich zumindest nach ihren Möglichkeiten um einen eigenen Ausweg bemühen. Das große Erwachen wird leider erst dann beginnen, wenn es für jegliche Rettungsmaßnahmen längst zu spät ist.
Und vermutlich werden die Menschen es größtenteils auch dann noch nicht wahrhaben wollen, wenn Wolfgang Schäuble höchstpersönlich im Fernsehen verkündet, dass bestehende Lebensversicherungen leider nur 1:100 in neue Anleihen umgetauscht werden können, sofern die jeweilige Gesellschaft nicht schon vorher pleite ist.

