Ökowahn

Ökologisches Weihnachtsmenü: Nur Sektenkult oder schon krankhafter Wahn?

www.focus.de
20
Dezember 2012
14:15
Zitat von www.focus.de:
meint dazu:

Ein Rätsel: Es stammt aus Ihrer näheren Region, hat sich nur rein pflanzlich aus ökologischem Landbau ernährt, kämpfte militant gegen jede Art von männlicher Dominanz und anderer Diskriminierung, sorgte für zahlreiche bunte, fremdsprachige Bereicherungen in unserem Land, sein Gehirn wurde durch einen Verblödungsverstärker – betrieben mit 100% Wind- und Sonnenstrom – vollständig weichgekocht und duftet verführerisch nach Festtagsbraten. Was ist das?

Es ist Ihr ökofaschistischer Nachbar bzw. Nachbarin, nachdem Sie ihn artgerecht und biologisch nachhaltig zubereitet haben. Und das ist gar nicht mal so schwierig, wie Sie glauben. Ein tolles grünes Kochbuch, welches wirklich jeden Aspekt des grün-sozialistischen Gutmenschentums berücksichtigt, hilft Ihnen dabei, Ihren gesunden Menschenverstand über Bord zu werfen und endlich die Vorbehalte gegen den linksgrünen politisch korrekten Wahnsinn aufzugeben.

Doch es gibt dennoch ein paar Kritikpunkte an den aufgezählten Ökoregeln für nachhaltiges Kochen: So ist der Gasherd sicherlich die ökologisch bessere Wahl gegenüber dem Elektroherd, weil Sie unsere Erde dadurch mit ein bisschen weniger gefährlichem CO2-Giftgas quälen. Allerdings stellt sich dabei die Frage, woher das Gas stammt. Sollte es aus russischer Produktion kommen, so können Sie sicher sein, dass unzählige Umweltschutzverstöße mit der Förderung einhergingen und quasi das Blut von vielen Pflanzen und Tieren an den Kohlenwasserstoffen klebt.

Sie sollten daher unbedingt noch vor dem Kochen Ihren örtlichen Gasversorger kontaktieren und sich schriftlich die Herkunft Ihres Erdgases bestätigen lassen. Kann dieser Ihnen keine heimische Förderung nachweisen – was wegen Ihres beständigen Widerstands gegen die Förderung von Erdgas in der BRD auch so gut wie unmöglich ist -, stehen Sie eben vor der Wahl: Gibt es Kaltschale als Hauptmenü oder geht es noch schnell in den Wald, um ein paar Zweige zu sammeln und über offenem Feuer im Garten, dafür aber ökologisch korrekt, zu kochen?

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fleisch. Bedenken Sie, dass selbst das Schweine- oder Rindfleisch aus Ihrer unmittelbaren Region nicht ohne jegliche CO2-Produktion verfügbar ist. Dazu gehört z.B. das Tierfutter, der Transport zum örtlichen Metzger und natürlich auch der Stromverbrauch für die notwendige Kühlkette, denn erfahrungsgemäß bezieht der Schlachter noch keinen reinen Ökostrom, obwohl Sie ihn regelmäßig mit kritischem und mahnendem Blick dazu genötigt haben.

Besser ist in diesem Fall, zum eigenen CO2-armen Kleinwagen zu greifen und auf den richtigen Moment zu warten, wenn Nachbars Hund oder Katze die Straße überqueren will. Sollte sich das Tier nicht dazu bequemen, tuts auch ein Seil um den Hals und zehn Minuten am nicht gespritzten Obstbaum aufgehängt. Das spart unschöne Spritzer am Wagen, kann jedoch im Gegensatz zum “zufälligen” Überfahren des Tieres für nachbarschaftlichen Ärger sorgen. Doch unsere Umwelt sollte Ihnen das Gerichtsverfahren schon wert sein. Sie haben doch schließlich eine Rechtsschutzversicherung – unsere Erde hat nämlich keine.

Was ebenfalls im Kochbuch fehlt ist der Hinweis, auf Leitungswasser zu verzichten. Da Regenwasser – leider immer noch – auch der nicht nachhaltig denkenden Allgemeinheit steuer- und kostenfrei zur Verfügung steht, sollten Sie hier den Weg des Vorreiters gehen und auf die CO2-intensive Grundwasserförderung und -reinigung verzichten und das Nass vom Himmel verwenden. Da Sie sowieso schon über einen 27-stufigen Leitungswasserfilter verfügen, können Sie durch Verwenden von Regenwasser Ihrem Festmenü damit eine kleine grüne Krone aufsetzen. Ihre Ökofreunde werden sicherlich sehr beeindruckt sein.

Sie sehen: Nachhaltigkeit kennt keinerlei Grenzen und Sie stehen immerhin in der Pflicht, sich der Natur voll und ganz zu unterwerfen. Dazu gehört auch noch der letzte Tipp: Im Sinne des Kampfes gegen die Klimaerwärmung lautet die Devise über die Festtage: Aus mit der Heizung – der Umwelt zuliebe. In Asien durch Kinderarbeit anstatt in CO2-strotzenden Fabriken produzierte dicke Ökowollpullover tun’s doch auch.

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4 Leserkommentare zum Artikel:

  • linksoben

    Heizung aus im Winter?
    Kein Problem, Dank Klimaerwärmung ist es schon warm genug auch ohne Heizung.

  • Jan

    Da Regenwasser – leider immer noch – auch der nicht nachhaltig denkenden Allgemeinheit steuer- und kostenfrei zur Verfügung steht, sollten Sie hier den Weg des Vorreiters gehen und auf die CO2-intensive Grundwasserförderung und -reinigung verzichten und das Nass vom Himmel verwenden.

    Stimmt soo nicht. Auf der Wasserrechnung steht immer ein Betrag für Regenwasser. Nach Nachfragen heisst es: Das Regenwasser fliesst ja in die Kanalisation. Das kostet natürlich. Ist aber schon sehr lange üblich.

    • Jan

      Nachtrag.

      Das steht auf der Nebenkostenabrechnung die ich von der Hausverwaltung bekomme.

  • ökologischer Vorreiter

    Es sei denn sie leben in eins dieser fortschrittlichen Dörfer die über dezentrale pflanzliche Kläranlagen ihr Wasser selbst reinigen. Da bezahlen sie natürlich keine Abwassergebühren, weder für Abwasser noch für Regenwasser,
    sondern nur ein bisschen Strom für die Pumpe.

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