Politik

Berlusconi plädiert für deutschen Euro-Austritt

www.faz.net
28
September 2012
12:21
Zitat von www.faz.net:
meint dazu:

Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi befindet sich wieder einmal im Wahlkampf. Da er jedoch genausowenig wie alle anderen Regierungschefs der Eurozone eine wirkliche Lösung für die Krise anzubieten hat, plädiert er natürlich für das, was Italien schon immer half: Geld zu drucken und die Währung abzuwerten. Dies gelingt freilich nur, wenn die “Spaßbremse” BRD endlich aus dem Euro ausscheidet, aber will Berlusconi das wirklich?

Typisches Gerede eines Möchtegern-Regierungschefs, welcher aktuell gar nicht an den Hebeln der Macht sitzt, ist das Geschwätz des bekennenden Lusttigers aus dem Stiefel im Mittelmeer. Auch seine unverblümte Aussage, die damalige Wechselkursfestschreibung gegenüber dem Euro sei “Selbstmord” gewesen, ist nichts weiter als populistische Propaganda. Was hat der alte Mann denn gegen all den Euro-Wahnsinn unternommen, als er es noch konnte?

Trotzdem liegt er mit seiner indirekt ausgesprochenen Forderung, die BRD aus dem Euro zu verbannen, gar nicht so verkehrt. Zwar würde sich auch damit das Kernproblem des Geldsystems nicht lösen lassen, aber zumindest könnte die Krise vielleicht doch noch halbwegs kontrolliert in Richtung Depression geführt werden, anstatt durch einen möglicherweise äußerst brutalen Knall, der quasi jeden Tag geschehen könnte.

Berlusconi scheint sich zudem nicht darüber im Klaren zu sein, was der Austritt der BRD aus der Eurozone unter anderem auch für sein Land bedeuten würde. Der Euro würde ohne den stärksten Nettozahler senkrecht abstürzen und damit in den restlichen Staaten der Gemeinschaftswährung für einen rapide sinkenden Wohlstand sorgen. Die Südstaaten würden in einer galoppierenden Inflation versinken, weil ihnen schließlich außer ungehemmten Gelddruckens keine Alternative mehr bliebe. Es ist fraglich, ob Silvio Berlusconi das wirklich in Kauf nehmen wollte.

Die offenen Worte aus Italien beweisen einmal mehr, wie die Krise dort unten am liebsten gelöst würde, nämlich mit dem Gegenteil von Sparen. Kein Wunder also, dass Angela Merkel nicht nur mehr und mehr im eigenen Land gehasst wird, sondern auch zunehmend im Euro-Ausland, obwohl seit Jahren ständig Milliarde um Milliarde aus deutschen Steuertöpfen in den Süden fließen. Nun, dieses Geld landet eben nur bei den Banken und nicht beim Bürger.

Wir dürfen gespannt sein, welchen Sinneswandel auch die Bundesregierung noch durchmachen wird, wenn unsere Wirtschaft weiter so steil abstürzt wie zur Zeit. Dann könnte sich vielleicht sogar Frau Merkel für etwas weniger Sparprogramme aussprechen, schließlich will sie ja 2013 wiedergewählt werden. Was allerdings auf diese Art von lockerer Geldpolitik folgt, können wir ausführlich in den Geschichtsbüchern nachlesen.

Weitere Artikel aus dem Themenbereich Politik »

Ein Leserkommentar zum Artikel:

  • Asuncion45

    ich verstehe Herrn Berlusconi sehr gut. Er findet den Sparzwang ebenso falsch, wie ich selbst. Wenn man weiß, daß diese Finanzkrise geplant ist, mit dem Ziel eine politische Union in Europa einzuführen, dann muß eine Hyperinflation und der totale Niedergang der europäischen Volkswirtschaften erzwungen werden. Herr Fischer hat es gerade in der Südeutschen wieder auf den Punkt gebracht und gesagt, diese Krise berge die große Chance eine politische Union unter der Führung Deutschlands auch gegen den Willen der Bevölkerung durchzudrücken. Man müsse diese Krise nur tief genutg sinken lassen, damit dann bei Volksbefragungen das gewünschte Ergebnis erzielt werden könnte. Dieser Wahn hat also System Wie der Artikelschreiber sagt, wird der Haß auf Merkel nicht nur im eigenen Lande sondern in ganz Europa wachsen und dabei werden unsere europäischen Nachbarn wieder keinen Unterschied zwischen Merkel und Lieschen Müller machen. Der Hass auf die Deutschen wird wieder in Mode kommen und der nächste Kreuzzug gegen sie ist bereits programmiert.
    Daher plädiere ich für die isländische Lösung: Alle verantwortlichen in Politiker und Banker gefangen nehmen und aburteilen. Alle privaten und öffentlichen Schulden streichen. Da dieser Weg aber nicht tiefer in die Krise führt, wird er von der politischen Elite Europas, und Herrn Fischer zähle ich zu dieser Brut, mit Sicherheit nicht gegangen.

Ihr Kommentar