Alles unter Kontrolle, keine Gefahr für die Eurozone, auch wenn Griechenland die gemeinsame Zwangswährung aufgibt. So hören wir es seit Wochen, wenn nicht Monaten. Doch stimmt das tatsächlich? Nach wie vor ertönen laute Warnungen vor diesem Schritt, weil er “unabsehbare Folgen” für das gemeinsame Währungsgebiet hätte. In Wahrheit geht es wohl nur noch um den größtmöglichen Zeitgewinn bis zum Kollaps.
Wenn keiner die Griechen mehr finanzieren will und es wirklich so unproblematisch ist, dass Griechenland den Euro verlässt, warum tun sie es dann nicht endlich? Wenn weder die BRD noch der Rest der Eurozone dadurch bedroht würde, warum wird dann tagtäglich so ein Aufhebens um diese Frage gemacht? Sicherlich nur deswegen, weil die Wahrheit eine ganz andere ist.
Zwar würde der Austritt Athens den Euro vermutlich nicht direkt kollabieren lassen, aber zum einen sind die gegenseitigen Verflechtungen der dadurch betroffenen Banken völlig undurchsichtig und zum anderen wäre dies ein fatales Signal an die Märkte. Selbst wenn es zunächst nach einer Erleichterung aussähe, weil eines der Fässer ohne Boden nicht mehr weiter mit gedrucktem Geld unaufhörlich nachgefüllt werden müsste, so bleibt Griechenland trotzdem eine kleine Nummer und der Wegfall dieses Schuldenlandes wird real keine wesentliche Rolle spielen.
Die richtig großen Summen nämlich benötigt derzeit Spanien, welches gleichfalls kurz vor dem Bankrott steht – dicht gefolgt übrigens vom noch maroderen Italien. Gegenüber diesen Pleitegiganten erscheint Griechenland nur noch wie die Taschengeldforderung eines Sechsjährigen.
Wie lange würden die Märkte wohl benötigen, um zu erkennen, welches bedenkliche Signal der griechische Exit in Wahrheit aussendet? Es wäre das Signal, dass Griechenland nicht der letzte Austrittskandidat sein könnte und damit die Gläubiger Gefahr laufen könnten, auch ihre Forderungen gegen Spanien und Italien auf einen Schlag zu verlieren, denn diese könnten Griechenland bald folgen.
Der bisherige Abverkauf der Anleihen dieser Länder würde ziemlich schnell explodieren und die EZB – “Einer Zahlt Bestimmt” – käme kaum mehr mit dem Aufkauf hinterher. In diesem Fall würde auch ein ESM nichts mehr helfen, sofern er denn überhaupt durchgewunken wird. Jeder Großanleger, der noch einigermaßen bei Verstand ist, würde im selben Tempo den Euro abstoßen. Was mit der Todeswährung dann geschehen würde, kann sich jeder an seinen fünf Fingern abzählen.
Warten wir ab, was geschieht und ob die Politik tatsächlich riskiert, Griechenland gehen zu lassen. Die Eurokraten befinden sich jedenfalls in allergrößter Panik – auch wenn sie das nicht offen zugeben – und hoffen, durch ihr beschwichtigendes Gefasel das Unheil abwenden zu können. Wie lange ihnen das wohl noch gelingen mag?

