Wirtschaft

Blinde Krisenignoranz vieler Unternehmer – Augen zu und durch

de.reuters.com
30
Mai 2012
21:23
Zitat von de.reuters.com:
meint dazu:

Es ist wirklich kaum zu glauben, in welch blinder Ignoranz viele deutsche Unternehmen mit der Krise umgehen. Zwar wurde diese Umfrage Anfang Mai vor den akuten Austrittsankündigungen Griechenlands aus dem Euro durchgeführt, doch die Lage war vorher schließlich nicht wesentlich besser. Mitarbeiter eines Unternehmens mit derart blinder Führung zu sein, ist dabei besonders tragisch.

Offenbar haben diese DIHK-Mitglieder nicht auf dem Radar, was die zukünftige Wirtschafts- und Finanzlage der Eurozone bzw. der gesamten Welt betrifft. Stattdessen lassen sie sich von Niedrigstzinsen blenden und setzen auf vermeintliche Wachstumsländer in Asien. Es scheint ihnen allein um Wachstum, Expansion und noch mehr Umsatz und Gewinn zu gehen, Gier macht eben blind. Nicht einmal aus der jüngsten Vergangenheit der Krise wurde etwas gelernt.

Selbst wenn die neuerlichen Marktturbulenzen erst nach Ende der Umfrage begannen, es waren wahrlich nicht die ersten und sie kamen beim besten Willen weder überraschend noch plötzlich. Wer auch nur ein bisschen Verstand beisammen hat und nicht jedes Wort der Medien und der Politik für bare Münze nimmt, der sah und sieht die große Katastrophe langsam und unvermeidlich auf uns zurollen.

Anstatt ihre Unternehmen auf das Kommende vorzubereiten, werden riesige Investitionen getätigt und Mitarbeiter eingestellt, als ob es kein Morgen mehr gäbe. Zumindest behaupten das einige der Befragten, aber vielleicht ist es auch nur die übliche Angeberei vor den Wettbewerbern. Dabei gäbe es wahrlich genügend Aufgaben, die jetzt noch mit relativ geringem Aufwand erledigt werden könnten, wie beispielsweise die Schulden zu tilgen, das Outsourcing aus China oder sonstigem angeblichen Niedriglohnland zurückholen und die diversen Lieferantenabhängigkeiten zu senken.

Aber vielen dieser Unternehmenslenker wird wahrscheinlich noch nicht einmal dann ein Licht aufgehen, wenn die gesamte Eurozone scheintot unter den diversen Rettungschirmen liegt und allein die BRD für alles bezahlen soll. Macht ja nichts, die Zinsen sind doch so niedrig. Viel drängender ist dagegen die Frage, wie der kommende Fachkräftemangel bewältigt werden kann – stimmt, Insolvenzverwalter könnten bald wirklich knapp werden.

Echten Sachverstand und zumindest ein gewisses Bauchgefühl haben dagegen meist Familienunternehmer, die vollständig persönlich haften. Zwar gibt es auch hier prominente Ausnahmen, aber extreme Naivität und Blindheit ist dort deutlich seltener anzutreffen als in den Unternehmen mit irgendwelchen angestellten Geschäftsführern, die alle paar Jahre vom einen zum nächsten Laden hüpfen.

Nun denn, wer nicht hören will, muss fühlen und wer nicht denken will, muss leiden. Es hilft alles nichts. Hoffentlich sind wenigstens nicht sämtliche der betroffenen Angestellten genauso blind und bereiten sich nach ihren Möglichkeiten auf das vor, was die anderen nicht wahrhaben wollen.

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