Die Zahl von Überwachungskameras in der Öffentlichkeit steigt ständig. “Es gibt viel zu viele Kameras”, beklagt Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter in Schleswig-Holstein. “Der Effekt ist aber fragwürdig.” [...] “Es gibt nicht einmal eine Meldepflicht”, sagt der oberste Datenschützer. “Jeder Bürgermeister oder Minister könnte im Prinzip eine Kamera dort aufstellen, wo es ihm passt.”
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Anders in Hamburg, wo die aufgestellten Objektive gezählt werden. Das Ergebnis: Von mehr als 10.000 Kameras im öffentlichen Raum werden die Bürger der Hansestadt beobachtet.
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Einige Kameras seien auch berechtigt, macht Datenschützer Weichert deutlich. “Und zwar dort, wo Straftaten drohen oder wo Straftäter überführt werden sollen.”
Kontrollwahnsinn: Hamburg wird von 10.000 Kameras überwacht
Wer schon einmal das Vergnügen eines Einbruchs in seine Wohnung hatte oder zu Hause Opfer von Vandalismus wurde, der wird hinterher mit Sicherheit auch über die Installation von Überwachungstechnik nachgedacht haben.
Zwar leistet diese nur bedingt Hilfe bei einer späteren Aufklärung wegen der meist völlig unzureichenden Bildqualität und fehlenden Aufzeichnung – es sei denn, für den Heimgebrauch kommt fast unerschwinglich teures Hightech-Gerät zum Einsatz -, aber es reduziert die potenzielle Gefahr einer Wiederholung durch einen gewissen Abschreckungseffekt. Für derlei Maßnahmen werden sicherlich auch die Nachbarn Verständnis aufbringen, solange sie nicht selbst dabei gefilmt werden.
Anders sieht es in der Öffentlichkeit aus. Sobald Vater Staat seine Hände im Spiel hat, wird es ungemütlich, weil niemand weiß, wer tatsächlich alles Zugang zu den Daten hat und wozu sie möglicherweise gebraucht oder missbraucht werden.
Der Schutz der Bürger wird dabei gerne als Argumentationsgrundlage verwendet, aber diese Ausrede ist äußerst fadenscheinig, denn dazu müsste eine 100% flächendeckende Überwachung installiert werden. Schließlich kann sich jeder Täter aussuchen, wen er wo überfallen oder ausrauben möchte und wird dies nicht notwendigerweise direkt vor einem der elektronischen Augen tun.
In Hamburg sind von den 10.000 Kameras etwa 8.000 in öffentlichen Verkehrsmitteln und an Haltestellen installiert. Die Frage ist nur, wieviele Verbrechen dadurch tatsächlich verhindert werden.
Zwar werden uns regelmäßig irgendwelche U-Bahn-Überfälle medienwirksam vorgeführt, wonach Täter anschließend gefasst wurden. Doch wieviele Verbrechen in von Kameras nicht überwachten Bereichen geschehen oder wieviele trotz Überwachung weder verhindert noch aufgeklärt wurden, verschweigt uns die Medienlandschaft natürlich.
Durch diese einseitige Darstellung wird den Bürgern suggeriert, dass Videoüberwachung heute ein Muss ist und zur allgemeinen Sicherheit beiträgt. Diesen angeblichen Vorteil dürfen wir durchaus bezweifeln, aber die Dauerüberwachung bewirkt trotzdem etwas: Die Masse der Menschen gewöhnt sich an das ständige Vorhandensein des Auges der Obrigkeit und verhält sich tatsächlich anders, wie schon mehrfach in Experimenten nachgewiesen wurde.


