Griechenland feilscht weiter um Pseudo-Schuldenschnitt

www.handelsblatt.com
23
Januar 2012
12:56

Auf der Agenda in Brüssel: die Rettung Griechenlands. Vor allem geht es – nach wie vor – um die Konditionen über Athens Schuldenschnitt von 50 Prozent. Außerdem muss ein neues Rettungsprogramm für die Hellenen aufgestellt werden. Dabei sind die Bedingungen, die Griechenland für die zugesagten 130 Milliarden Euro leisten muss, noch immer nicht klar.

[...]

Der Beschluss des EU-Gipfels von Ende Oktober sieht vor, die Staatsschulden mittels Hair-Cut um 100 Milliarden Euro zu reduzieren. Griechenland könnte damit in den nächsten Jahren jeweils rund fünf Milliarden Euro beim Schuldendienst einsparen und die Schuldenquote von 163 Prozent des BIP bis 2020 auf 120 Prozent drücken.

meint dazu:

Niemand weiß, was wirklich hinter den Kulissen vorgeht und was in den langen Gesprächen ausgehandelt wird. Die Medien wollen uns Glauben machen, dass die “Experten” von IWF, IIF und der EU alles im Griff haben und es eben lediglich noch um ein bisschen Zinsgefeilsche ginge.

In Wahrheit liegen die Nerven aller Beteiligten blank. Die Gläubiger fürchten zwar einen Totalverlust, aber insbesondere die Politmarionetten haben Angst vor ihrem Machtverlust, einer gefährlichen wirtschaftlichen und politischen Eskalation und allgemeinem Chaos in Europa.

Griechenland ist zwar klein genug, sodass der Euro nicht direkt kollabieren würde, wenn Hellas plötzlich doch offiziell seine Banktrotterklärung abgeben würde. Aber die Folgen würden schlussendlich doch zu einem Crash führen, weil die anschließende Kettenreaktion umkippender Banken nicht genau vorhergesagt und die Großen nicht mehr aufgefangen werden können.

Wir sollten uns auch trotz aller gespielter Zuversicht der Politik nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass Griechenland faktisch nicht gerettet werden kann. Wenn mit dem jetzigen Schuldenschnitt die Schuldenquote gerade einmal auf 120% gesenkt werden kann, sehen wir schon, dass die Probleme in Wahrheit überhaupt nicht angegangen geschweige denn gelöst werden. Damit wird lediglich die unmittelbare Gefahr gesenkt, aber wir befinden uns nach wie vor im fast senkrechten Teil der Exponentialfunktion.

Wenn Griechenland überraschend fällt, beginnt sich vermutlich binnen Tagen, der Euro aufzulösen. Welches Schauspiel uns dann von Seiten der Politik geboten wird, können wir nur erahnen, aber es dürfte sich um eine unkontrollierbare Eskalation handeln. Warten wir es ab, die wirklich großen Ereignisse stehen alle erst noch bevor.

Neue Artikel per E-Mail erhalten:
Weitere Artikel aus dem Bereich Finanzen

Ihr Kommentar

Passwort kopieren *

und hier einfügen *