Finnland hatte die Wahl – und vertat seine Chance

www.zeit.de
23
Januar 2012
17:17

Der konservative Ex-Minister Sauli Niinistö hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Finnland gewonnen. [...] Er tritt in zwei Wochen bei einer Stichwahl gegen den Grünen Pekka Haavisto an.

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Der rechtspopulistische EU-Kritiker Timo Soini kam bei der Direktwahl mit 9,4 Prozent auf den vierten Platz. Er hatte mit seiner Partei Wahre Finnen bei den vergangenen Parlamentswahlen fast 20 Prozent der Stimmen gewonnen.

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An der ersten Runde der Wahl beteiligten sich 72,7 Prozent der 4,4 Millionen Stimmberechtigten. Finnlands Staatsoberhaupt wird für sechs Jahre gewählt und hat im Wesentlichen repräsentative Aufgaben.

meint dazu:

Finnland wählte gestern einen neuen “Wulff”. Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, wie wichtig den Finnen dieses Amt ist und dass sie ihrer Möglichkeit von Mitbestimmung durch Direktwahl des Präsidenten gerne nachkommen.

Doch dies mag nur bedingt darüber hinwegtäuschen, dass die finnischen Bürger die Gunst der Stunde nicht wirklich nutzten, denn sie hätten mit Timo Soini, einem “wahren Finnen”, zumindest demonstrativ der EU die Zähne zeigen können.

Stattdessen haben über ein Drittel der Wähler dem EU-Befürworter Sauli Niinistö und immerhin noch fast jeder fünfte dem ebenfalls überzeugten EU-Anhänger und bekennenden schwulen Grünen-Politiker Pekka Haavisto ihre Stimme gegeben. Finnland ist und bleibt damit treuer, politisch korrekter und höriger EU- und Euro-Untertan. So etwas sieht die Brüsseler Diktatur natürlich gerne.

Auch wenn unsere linksgrüne “Qualitätspresse” schon reflexartig den Begriff “rechtspopulistisch” für EU-kritische Politiker anwendet, zeigen die fast 10% Wähler von Timo Soini, dass schon jeder Zehnte Finne die Nase von der EUdSSR gestrichen voll hat.

Zwar dürfte auch bei uns ähnliches Potenzial in der Bevölkerung vorhanden sein, aber mangels einer passenden Partei bleibt die offene EU-Kritik bei uns bislang noch den Stammtischen vorbehalten. Doch der Tag wird kommen, an dem den Auftragsschreiberlingen vor Schreck die Luft wegbleibt, weil selbst ihre Aburteilung als “rechtsextrem” nichts mehr ausrichten wird. Vermutlich schon bald.

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